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Clean Eating, Healthfood, Superfoods, Vegan: Warum sind alle plötzlich Ernährungsexperten?

Jede Woche ein neuer Trend, den man mitmachen muss?

Normal, normaler, ich

Ich bin normal. Ein ganz normaler Durchschnittsmensch. Damit gehöre ich aber scheinbar einer ganz kleinen Minderheit an. Ich esse normal. Ich esse meist saisonal, selbstgemacht und Lebensmittel mit vernünftiger Herkunft. Und ich esse Fleisch. Wenig, aber ich esse es gern. Auch Leber, Zunge oder Nieren. Das gehört für mich zu einer vernünftigen Ernährung dazu. Nicht vergessen: Meiner Meinung nach. Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Richtigkeit, Wichtigkeit oder Deutungshoheit über etwaige Lifestyle-Religionen!

Aber mit meiner normalen 08/15-Existenz bin ich schon längst eine Ausnahme wie es scheint. Kein Essen mit Freunden oder Bekannten ohne Gespräche über Lebensmittelunverträglichkeiten. Natürlich stets mit ideologischen Ansprüchen und Geisteshaltungen. „Ich mache jetzt Clean Eating.“, „Ich bin vegan, das esse ich nicht, das widert mich an!“, „Hast du noch nicht Chiasamen ausprobiert??? Das MUSST du! Das ist jetzt DAS Superfood, total healthy, echt!“. In solchen Situationen komme ich mir wieder wie das uncoole Mädchen am Pausenhof vor, mit dem keiner spielen will.

Manche erheben ihre Ernährungsweise gar zu einer gefühlt omnipräsenten Lifestyle-Religion mit hartnäckigem Missionier-Eifer. Aber ich koche einfach gern und esse noch lieber. So einfach ist das. Das heißt, ich esse natürlich gern gut. Ich bin leider zu gern normal, als dass ich mich von diversen Ernährungsformen vereinnahmen lasse. Das heißt, ich achte darauf, was in meinem Essen steckt. Aber ich bin kein Freund von strikten Verboten, beinhart durchgezogenen Regel- und Gesetzeswerke in Bezug auf Essen. Ich fühle mich gut mit meiner Ernährung und sie tut mir gut. Zumindest scheinbar. Medizinische Test bezüglich meiner Ernährung habe ich noch nicht durchführen lassen. Ich höre da lieber auf mein Bauchgefühl. Das sagt mir glücklicherweise nämlich noch, was mir gut tut und was nicht. Und Trends, durchgestylte Kochbücher und hippe Ernährungsformen brauche ich dafür auch nicht. Für mich ist das einfach eine Fortführung der Brigitte-Diät – monatlich ein neuer allesversprechender Weg zum Traumziel!

Aber um mich herum und ganz besonders in der Welt meiner digitalen Kollegen (es gibt auch lesenswerte, erfrischende Ausnahmen unter den Foodbloggern) jagt ein Trend den nächsten. Blogbeiträge mit  langen Listen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Lebensmittelallergien und speziellen Ernährungsbedürfnissen. Das einfachste erscheint mir oft noch der Cafe Latte mit Sojamilch (bio und gentechnikfrei natürlich), Stevia (Zuckerersatzprodukt) und veganem bio-dynamischem Keks mit Superfood-Chiasamen dazu.

Achtung!!! Wer wirklich wirklich grundlegene gesundheitliche Probleme hat, beispielsweise Zöliakie-Betroffene, Lebensmittel-Allergiker, Krebspatienten oder Diabetiker, haben mein tiefstes Mitgefühl und Verständnis. Ich bewundere es sehr, sich so streng an einen Ernährungsplan zu halten. Vor allem, wenn es nicht anders geht. Das gesundheitliche Wohlbefinden und die „Machbarkeit“ von Essen wird dabei jeden Tag auf einen harten Prüfstand gestellt und erfordert eine Menge Geduld, Gelassenheit und Zeit. Meinen tiefsten Respekt dafür!

Ist unser Essen einfach zu normal, um darüber zu sprechen?

Bin ich einfach ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten? So ganz ohne ernsthaftem Ernährungsproblem? Kann das überhaupt sein? Habe ich nicht auch irgendwelche Unverträglichkeiten oder Eigenheiten? Meine Familie würde das ganz sicher meinen. Aber halt nicht in Bezug auf Essen.

Aber ich bin da vielleicht auch zu altmodisch. Oder auch neudeutsch: Ich bin Retro. Wie bei meinen Essgewohnheiten. Einfach zu normal. In diesem Sinne: Liebe Grüße an alle Normalos:)

Ich bin´s: Johanna von Dinner4Friends

Johanna von Dinner4Friends: Bin ich noch normal, wenn ich keine besondere Ernährungsform pflege?

 

Du bist Foodblogger? Dann ist dieser Absatz interessant für dich:

Ich finde, es gibt im Internet viele wunderbare Menschen, die sich tagtäglich mehr um ihr Essen bemühen als nur dafür zu sorgen, dass etwas hipp, cool designt und durchgestylt aussieht. Oft hält ein trendy, gestylter Blogpost nicht das, was er verspricht. Schon mehr als einmal bin ich auf Rezepte riesiger Blogs hereingefallen. Herausgekommen ist etwas, das nicht wirklich lecker war – aber die Optik hat halt gestimmt. Es ist uns auch schon öfter passiert, dass wir einer Blogger-Empfehlung für ein Lokal/Restaurant/Bar gefolgt sind und einfach nur enttäuscht wurden: Service, Qualität und Preis waren einfach oft eine Frechheit. Aber versteht mich nicht falsch! Es lohnt sich, Rezepte auszuprobieren und Blog-Artikel zu lesen. Nur eben halt von Bloggern, die ihre Arbeit und erst recht den Leser ernst nehmen. Ernsthafte und vor allem glaubwürdige Blogger stecken eine Menge Herzblut in ihre Blogs und empfehlen ihren Lesern nur Restaurants, in die sie selbst gehen. Oder zumindest ihre Meinung bzw. ihren Blogbeitrag nicht kaufen lassen und nichts empfehlen, nur um umsonst essen zu gehen oder Geld zu verdienen. Versteht mich nicht falsch! Es ist durchaus erlaubt und legitim mit seinem Blog Geld zu verdienen. Aber auch dafür gibt es Regeln, damit Leser und User nicht getäuscht werden. Ich finde, vor allem im Internet ist so etwas wichtig! Denn die  – scheinbare – Anonymität oder Entfernung zum Leser sollte man erst recht nicht dadurch ausnutzen, nur weil man sich im Internet bewegt.

Wenn ich also zehn Selfies mache, bevor ich das Eine bekomme, auf dem ich super aussehe, dann ist das legitim. Wenn ich aber die Realität so weit verschiebe, dass ein Eindruck entsteht, der die Wirklichkeit bis fast zur Unkenntlichkeit verändert, dann finde ich, das ist Lesertäuschung.

In diesem Sinn: Ich hoffe, ich trete niemandem auf den Schlips und wünsche euch frohes Bloggen!:) Liebe Grüße Johanna

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  • Jasmin

    Ich wünschte du hättest einen Gefällt-Mir-Button, den ich fünfzehn mal klicken könnte um dir zu zeigen, wie toll ich es finde, das du das so ehrlich geschrieben hast.
    So viel Mühe stecke ich in meinen Blog und kaum jemand bemerkt das. Und das nur, weil ich keine Profikamera habe und meine Bilder nicht unnötig in Szene setze. Alles unbearbeitet und echt lassen ist manchmal schwer, aber eine wirkliche Leidenschaft geworden. 😉
    Danke für deine Meinung. 🙂
    Liebe Grüße, Jasmin

    09.08.2015 at 19:29 Antworten
  • Carolin von Caros Küche

    Liebe Johanna,

    auch ich esse größtenteils normal. Weniger Kohlenhydrate sinds aktuell (*hust* wenigstens jetzt nach dem Urlaub wieder), aber ansonsten habe ich keine Unverträglichkeiten etc. … auch keine erfundenen 😀
    Schon beim Mittagessen bei der Arbeit gehts aber los.
    Schwierig finde ich eigentlich immer nur die Leute, die missionieren wollen. Ich hab mir jetzt auch mal Chiasamen gekauft (zum Ausprobieren), möchte mich damit aber in keine Schublade stecken lassen und damit nicht hausieren gehen.

    Toller Artikel jedenfalls, hat mir gut gefallen, ihn zu lesen! Besonders dein Absatz an Foodblogger fand ich gut!

    Liebe Grüße
    Carolin

    10.08.2015 at 06:32 Antworten
  • Susanne

    Ich halte meinen Kommentar kurz: Du sprichst mir aus der Seele! Danke dafür! 🙂

    10.08.2015 at 10:32 Antworten
  • Franzi

    Ich finde deinen Beitrag sehr gut und sehr wichtig und – tatsächlich – ist es so, dass ich einige Dinge gern komplett unterstreichen möchte (Fleisch lass ich aber trotzdem weg).

    ABER der Ton in deinem Beitrag ist an einigen Stellen sehr fies und zu anprangernd, das finde ich wirklich schade, denn das Thema hat Charakter und enormes Potential so generell. Nur das schnippische dahinter, nein das verletzt mich sogar an einigen Stellen. Da kann man 10 mal schreiben „Meine Meinung etc.“, man merkt dir deine Wut über ca. 20 % der Menschen an, die mit ihrer Ernährung wirklich missionieren gehen. Es sind nämlich deutlich weniger als man denkt und vor allem in JEDER Ernährung zu finden, auch in der „normalen“ 🙂

    10.08.2015 at 14:27 Antworten
  • zahnfeee

    Liebe Johanna,
    Danke für den tollen Bericht, Du sprichst auch mir aus dem Herzen.
    Nicht nur auf Blogs sondern auch in wirklich großen Zeitschriften konnte ich schon oft feststellen das an Hand der Zutaten nicht das raus kommt was auf dem Foto war.
    Bei Blog-Posts sind tolle Fotos wunderschön anzusehen aber wenn ich dann eigentlich weiß es wurde hier und da evtl. das Fleisch, Gemüse noch mit Öl glänzen gemacht das es toll aussieht und da noch mit Fotoshop gearbeitet ärgert mich das dann doch. Ich finde es erschreckend das man diesbezüglich seinen Lesern was vor macht.
    Geschmacklich bei Empfehlungen von Restaurants ist das immer so eine Sache, Geschmäcker sind ja verschieden. Aber es gibt sicher viele die immer alles gut finden. Ich schreibe immer meine ehrliche, wenn auch mal sehr kritische Meinung zum Produkt und ich bringe eigentlich immer Sachen ein die ich mir für das Produkt gern wünsche. Nur so können Firmen und Bloggern auf Augenhöhe agieren und sehen was sie evtl. verbessern könnten.
    herzliche Grüße Diana

    10.08.2015 at 17:28 Antworten
  • Sauerländer BBCrew

    Hallöchen!

    Danke das Du mir so aus der Seele sprichst!! Inzwischen ist es einfach nicht „Hip und Trendy“ wenn man nicht gerade auf einer Welle mitschwimmt ich fühle mich teilweise schon wirklich schlecht keine Lebensmittel Unverträglichkeit zu haben… Sogar Milch und Mehl kann ich essen das ist sehr frustrierend 🙁

    Wir machen einmal in der Woche ein Video und stellen dieses online. Kochen mit Fleisch, vegetarisch, sogar vegan… Weil wir Bock dazu haben! Weil wir Dinge probieren möchten und unseren Zuschauern ehrlich unsere Meinung sagen möchten. Wir kochen viel regional… Auch saisonal und wir zeigen sogar wie man etwas nett anrichtet. Ohne Gelatine oder Schäumchen, ohne zu große Erwartungen aber immer real.

    Ja wir gehören auch zu einer Minderheit die dazu steht das Fleisch super lecker ist. Das man einfach mal langweilige Produkte wie Kartoffeln verarbeiten kann… Das man nicht auf jeder Welle mitschwimmen muss… Aber dennoch fühle ich mich sehr miserabel weil wir einfach die wahren Food Trends nicht erkennen 🙁 vielleicht liegt es aber auch einfach daran das wir das tun worauf wir Bock haben und vielleicht haben wir auch einfach keinen Bock jedem Trend hinterher zu rennen… Und vielleicht nimmt der Trend den Trends hinterher zu rennen auch ab. Dann sind wir ziemlich Trendy 😀

    Danke für Deinen Blogpost und: Du bist nicht allein 😀

    10.08.2015 at 19:51 Antworten
  • Claudia

    Ich würde so gerne normal essen, aber das ist auf Grund meiner Mehrfachbehinderung im Mund einfach nicht mehr möglich. Oft ist es wirklich schwierig wenn ich unterwegs bin, etwas Essbares zu finden. Da erscheinen mir dann so manche Ernährungsformen wirklich dekandent, vor allem wie sie von manchen Anhängern überheblich eingefordert werden. Ich habe großes Verständnis für Menschen mit wirklichen Unverträglichkeiten, aber bei selbst gewählten Lifestyle-Nahrungsdingsdangs muss ich öfter wirklich den Kopf schütteln. Diese Menschen wissen sehr oft nicht, was es bedeutet tatsächlich außerhalb der Essensnorm zu leben. LG Claudia

    11.08.2015 at 14:32 Antworten

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